Forschung Schwerpunkte

Forschungsschwerpunkte

Viele umweltrelevante Fragen unserer Zeit bedürfen zu ihrer Lösung einen Know-how-Transfer zwischen der theoretischen Grundlagenforschung und Umsetzung in der Praxis.

Die Biologische Station übernimmt in diesem Zusammenhang eine wichtige Schlüsselrolle durch die Ausübung zahlreicher Aufgaben:

  • Gewässerökologische, chemische und mikrobiologische Kontrolle und angewandte Forschung am Neusiedler See und an den Salzlacken des Seewinkels
  • angewandte Umweltforschung mit Schwerpunkten im Natur- und Umweltschutz, Fremdenverkehr, Jagd, Landwirtschaft, Fischerei, u.a.
  • angewandte botanische Forschung mit Schwerpunkt Bestandsaufnahme der Flora vor allem naturschutzrelevanter Pflanzenarten
  • angewandte zoologische Forschung mit Schwerpunkt ornithologische Bestandserhebung und Kontrolle des Bruterfolges wichtiger Brutvogelarten
  • Natur- und Landschaftsschutz: Erarbeitung von Lösungsansätzen für praktische Fragestellungen unter Berücksichtigung von Botanik und Zoologie (Richtlinienerstellung, Begutachtung von Gesetzesentwürfen
Eisvogel

Projekt Vogelwarte

Birdwatching stellt eine wesentliche Facette im Naturtourismus in den benachbarten Nationalparken Neusiedler See – Seewinkel (A) und Fertö – Hansag (H) dar. Um das Angebot weiter auszubauen, hat die Biologische Station Neusiedler See gemeinsam mit beiden Nationalparken das transnationale „Projekt Vogelwarte“ initiiert.

Bisher war die Vogelforschung notdürftig in der Werkstatt und im Bootshaus untergebracht. Das soll jetzt durch das Projekt anders werden. Einerseits soll die Infrastruktur für Vogelbeobachtung und angewandte Vogelforschung in Österreich und Ungarn verbessert, ausgebaut und aufeinander abgestimmt werden, andererseits soll eine gezielte Wissensvermittlung Amateuren und Profis die aktuellen Anforderungen innerhalb von Monitoring-Programmen und Forschungsprojekten darlegen. Neben neuen und verbesserten Beobachtungseinrichtungen (z.B. durch Hochstände) werden auch die beiden Vogelberingungszentren an der Biologischen Station in Illmiitz und an der „Esterhazy Madarvarta“ im ungarischen Hansag umgebaut bzw. renoviert, um der angewandten Wissenschaft ein entsprechendes modernes Arbeitsumfeld zu bieten.

Eine Broschüre in Deutsch und Ungarisch wird Aufschluss über die lokale Beobachtungsmöglichkeit aller im Gebiet vorkommenden Vogelarten geben. Neben zwei ornithologischen Kursen, in denen sowohl Basiswissen vermittelt als auch Forschungsmethoden trainiert werden, wird auch die Web-Datenbank „ornitho.at“ für die Region Seewinkel – Neusiedler See – Hansag entsprechend angepasst werden. Ein umfassendes elektronisches Infosystem mit einer virtuellen Bibliothek soll für Jedermann einen einfachen Zugang via Internet bei einschlägiger Literatursuche bieten.

Das gesamte Projekt wird 2013 bis März 2015 umgesetzt. Es hat einen Umfang von knapp EUR 700.000.- und wird zum überwiegenden Teil durch Mittel der EU gefördert. Die freie Website „ornitho.at“ bietet sowohl dem Laien als auch dem Profi die Möglichkeit, eigene Daten zu melden bzw. in die bestehende Datenkulisse Einblick zu nehmen. Bereits nach einem Monat waren über 100.000 Datensätze eingespielt worden (Stand Mitte Juni 2013).

Fischmonitoring13-10-09 10 NSS Netzfischen 41

Fischökologisches Monitoring

Der Neusiedler See ist ein äußerst komplexes limnologisches System, das im Laufe seiner Geschichte immer wieder Veränderungen erfahren hat.

Das limnologische Monitoring dient dazu, die Auswirkungen dieser Veränderungen auf die physikalisch-chemischen Verhältnisse und die aquatischen Lebensgemeinschaften zu dokumentieren.

Im Rahmen der Nationalpark-Forschung finden seit vielen Jahren fischökologische Untersuchungen mit unterschiedlicher Schwerpunktsetzung statt. Während in den letzten Jahren die Dokumentation der Fischbestände am Schilfrand und im inneren Schilfgürtel sowie die Erfassung von Langzeittrends im Vordergrund standen, setzt das aktuelle Forschungsprogramm wieder einen stärkeren Schwerpunkt auf den offenen See.

Dabei geht es einerseits um eine Beschreibung der Nahrungsbeziehungen in der Freiwasserzone, andererseits soll der Zander stärker ins Blickfeld gerückt werden. Dieser mit dem Flussbarsch verwandte Raubfisch steht an der Spitze der aquatischen Nahrungspyramide und zugleich im Zentrum der fischereilichen Nutzung, über seine Biologie im Neusiedler See ist im Grunde nur wenig bekannt.

Folgende Fragen sollen im Rahmen des Monitorings geklärt werden:

  • Wie ist die Bestandssituation der wichtigsten Fischarten in der Freiwasserzone des Neusiedler Sees?
  • Welche Rolle spielen Fische im offenen See in Hinblick auf jüngste Änderungen im Trophiezustand und in den Planktongemeinschaften?
  • Welche Rolle spielt der Zander als wichtigste fischereilich genutzte Art im Ökosystem?

Die Befischungen finden am Schilfrand mittels Elektro-Aggregat sowie im Freiwasser mit Multimaschen-Kiemennetzen und Schubnetz (zur Erfassung von Jungfischen) statt. Ergänzend werden Altersanalysen und Nahrungsanalysen des Zanders durchgeführt.

EULAKES

EULAKES

Das Projekt EULAKES –„ Europäische Seen im Klimawandel“ setzte sich zum Ziel, die Auswirkungen des Klimawandels und die Einwirkungen des Menschen auf europäische Seen und deren Umland zu untersuchen, und in weiterer Folge dazu internationale Strategien und regionale Leitlinien zu entwickeln.

Als Modellregionen dienten der Gardasee (IT), der Balaton (HU), der Neusiedler See (AT) und der See Charzykowskie (PL).

In 6 Arbeitspaketen erfolgte eine ökologische Charakterisierung der 4 Seen des Projekts, eine Bewertung der ökologischen Trends auf Basis vorhandener Aufzeichnungen, die Ableitung von See-spezifischen Risikofaktoren für die zukünftige Entwicklung der Seen, die Anwendung regionaler Klimamodelle zur Berechnung zukünftiger Klimaszenarien sowie die Entwicklung eines Modells (Web-GIS-basiert) zur Darstellung der Risikofaktoren für die Seen unter zukünftigen Klimabedingungen.

Die Strategien und Leitlinien geben Handlungsempfehlungen für ein nachhaltiges Management in ökologischer, ökonomischer und sozio-kultureller Hinsicht. Bei der Erarbeitung dieser spielte die Einbindung von lokalen Institutionen, Gemeinden und Interessensvertretern durch Informationsveranstaltungen, Workshops und Gesprächsrunden eine wichtige Rolle.

Durch die Zusammenarbeit von insgesamt 9 Projektpartnern aus 4 EU-Ländern (Italien, Ungarn, Polen, Österreich) war es möglich, Erfahrungen auf internationaler Ebene auszutauschen, Synergien zu nutzten und langfristige Kooperationen aufzubauen.

Finanziert wurde das Projekt aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung im Rahmen des transnationalen Förderprogramms CENTRAL EUROPE mit rund 3 Mio. Euro.

Laufzeit: 3,5 Jahre (Projektbeginn: April 2010, Projektabschluss: September 2013)
Leadpartner: Lake Garda Community (Lombardia, IT)
Gesamtbudget: 2.910.799€, davon EFRE: 2.291.771€

Download >>> pdfWP623Guideline_Lake_Neusiedl.pdf

Abbildung Genesee Hydrographie

GeNeSee

Ziel des im Jahr 2011 gestartete österreichisch-ungarische Kooperationsprojekts GeNeSee („Geodätische Neuerfassung des Systems Neusiedler See – Hanságkanal“) ist die Bereitstellung einer homogenen topographischen Datenbasis des Beckens des Neusiedler Sees – Fertő und des Hanságkanals.

In vier Arbeitspaketen werden die historischen Datenbestände aufbereitet, das Umland sowie der Schilfgürtel mit Airborne Laserscanning aufgenommen, der Bodenaufbau der Schilfzonen mit Messmethoden aus der Bodenphysik punktuell erfasst, sowie die Schlammoberfläche und der feste Untergrund der offenen Wasserflächen mittels hydroakustischen Messmethoden vermessen. Echolotungen mit Frequenzen zwischen 710 kHz und 100 kHz liefern dabei ein Bild des Aufbaus des Wasserkörpers und der oberen Schlammschichten.

Die Stratifizierung der tieferen Sedimentschichten und des Seebodens wurde unter Einsatz eines parametrischen Sedimentecholots (10 kHz) erfasst. Die Gesamtlänge der unter Einsatz des Arbeitsbootes der Biologischen Station vermessenen Profile beträgt rund 2.000 km. Informationen über die Morphologie des Seebodens zwischen den Profillinien liefern Seitensichtsonar-Aufnahmen, welche die Bodenstruktur bildhaft wiedergeben.

Das Projekt GeNeSee wird vom Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) im Programm zur grenzüberschreitenden Kooperation Österreich – Ungarn 2007-2013 (Reg. Nr. L00130) gefördert.

Download >>> pdfProjektGeneseePoster_GeNeSee_2_10.pdf

BSKarpfenWiese 20130416 1158

Analyse der Nahrungsketten

Die bisherigen limnologischen und fischökologischen Arbeiten am Neusiedler See haben gezeigt, dass den Nahrungsbeziehungen im See eine Schlüsselrolle zum Verständnis dieses komplexen Ökosystems zukommt.

Die detaillierte Analyse des Nahrungsdargebots über einen längeren Zeitraum ist daher unerlässlich für das Verständnis der fischökologischen Zusammenhänge im Neusiedler See und nicht zuletzt auch ein Schlüssel für nachhaltige fischereiliche Managementmaßnahmen.

Im vorliegenden Projekt werden die Nahrungsgrundlagen der Fische des Neusiedler Sees durch Analyse des Phytoplanktons (Schwebealgen) und Zooplanktons (tierisches Plankton) untersucht. Ziel der Arbeit ist es, Rückschlüsse auf längerfristige Bestandsänderungen der wichtigsten Fischarten zu ziehen, insbesondere des Zanders.

Darauf aufbauend sollen Managementmaßnahmen diskutiert werden, die eine nachhaltige Fischerei am Neusiedler See fördern und damit der Genussregion Neusiedler See zugutekommen.

Das Arbeitsprogramm umfasst:

  • Literaturrecherche von Zoo- und Phytoplanktondaten des Neusiedler Sees und Aufbau einer Plankton-Datenbank
  • Analyse von konservierten Wasserproben der Jahre 2013 und 2014 mit Schwerpunkt auf Aspekten der räumlichen Verteilung und der Saisonalität
  • Nahrungsanalyse von Jungfischen (Sichling, Laube) im offenen See und im Schilfgürtel (die Probenahme erfolgt im Rahmen des Nationalpark-Monitorings)
  • Datenanalyse unter Berücksichtigung der meteorologischen und hydrologischen Verhältnisse und Einbeziehung der vorhandenen Landzeitdatenreihen in Hinblick auf ein Erklärungsmodell für die Bestandsschwankungen von Fischen
  • Managementvorschläge für die Sicherung der Fischbestände und für eine nachhaltige fischereiliche Nutzung

Projektzeitraum: Jän – Dez 2015
Auftragnehmer: DWS Hydro-Ökologie (www.dws-hydro-oekologie.at), Dr. Georg Wolfram

Fish investigations in large lakes

Knowing the fish status is important for overall understanding their role in the ecosystem and for wise management and utilisation of fish resources.

The survey of large lakes very often requires the use approaches, which are common at the sea. This applies also to the fish stock asessment in the open water of Neusiedlersee. Large volumes of the lake are the subject of the internatinal cooperation between Austria, Czech Republic and Norway since 1996. During the time we developed two main ways of monitoring of fish in the open water.

Both approaches have to be used in deep night when they give the best results:

1. Horizontal echosounding with highly sophisticated sonar systems operating with narrow cone of ultrasonic vawes (Fig. 1, 2). Horizontal echosounding in the shallow waters is one of the hot spots of acoustic technology and Neusiedlersee is probably the most shallow lake in the world when this aproach has been applied. More information about horizontal echosounding as well as about fish investigations of large inland water can be found at Fish Ecology Unit web page (www. fishecu.cz). Very shallow environment required special fish detection and sizing algorythms which were specially employed in SONAR 5 software developed by the University of Oslo (http://folk.uio.no/hbalk/)

Download Publikation >>> pdfTJ.Neus.trawl.Didson.Final.Clean.pdf

Fig1

Fig, 1: the scheme of horizontal survey with the scientific echosounder

Fig3

Fig. 3: Illustration of synchronised sampling with electrified wheel-trawl and DIDSON acoustic camera.

TR = trawl rope; D = ‚Dory‘, acoustic barque which hosts the DIDSON acoustic camera processing unit and acoustic camera itself; DT = DIDSON transducer; DB = DIDSON ultrasonic beam; E = electrified anode; EB = electro-fishing boat supplying the electric power; W = wheels; TF = trawl frame; TB = trawl bag; C = codend where the sample catch concentrates.

Fig2

Fig. 2: Transducer mounting in the front of research vessel Ota Oliva. This vessel has been used for acoustic surveys of Neusiedlesee number of times.

 

2. The second very promissing approach is the application of electrified bottom trawl. A special framed trawl net of the wheels was developed for monitoring of the lake Fig. 3-. The avoidance of fish is relatively limited at night when most fish are sleeping. The use of powerful electroshocker helps to immobilize the individuals that try to escape from the sampled area (if the fish escape, the results would be biased).

The eficiency of this newly designed system was tested by a special device called acoustic camera which provide near-video images of fish behaviour in front of the trawl. The study found minimal avoidancereactions by the dominant fish species in the trawl mouth opening when a relatively small fixed frametrawl was used to sample fish in a shallow and turbid lake at night. The methodology developed in Neusiedlersee is now applied in several European countries.

More details can be found in the paper:
Jůza T., Rakowitz, G., Draštík, V., Blabolil, P., Herzig, A., Kratochvíl, M., Muška, M., Říha, M., Sajdlová, Z., Kubečka J., 2013. Avoidance reactions of fish in the trawl mouth opening in a shallow and turbid lake at night. Fisheries Research 147: 154-160. http://dx.doi.org/10.1016/j.fishres.2013.05.008

Fig. 4: Setting of a net bag on 7×2 m wheeled electified trawl

Fig. 5: Setting the coper electrode on the warps of 7×2 m trawl.

Fig6

Fig. 6: 7×2 m trawl set on board of the research vessel Ota Oliva. In front of the vessel is the transducer holder with Simrad Elliptical transducer for horizontal acoustic survey.

Fig7

Fig. 7: Dense fish records of 1997 between Illmitz and Morbish. The abundance of fish targets is enormous. Red line shows the end of range to be processed estimated by special shallow water „cross filter algorithm“.

Salzlacken

Salzlacken

Download >>> 

pdfLacken1_lay_ÖNB.pdf

pdfLacken2_lay_ÖNB.pdf

Labor2012

Praktika und Seminare

Die Biologische Station Neusiedler See ist ein kompetenter Forschungspartner in zahlreichen nationalen und internationalen Programmen und Projekten, welche in ihrer Wirkung weit über die Region hinausreichen.

Hutweiden, Salzlacken, Schilfflächen und der Neusiedler See mit seiner europaweit einzigartigen Fauna und Flora bilden ein Freiluftlabor direkt vor der Haustür der Biologischen Station. Universitäten und Studierende aus der ganzen Welt nutzen diese besonderen Standortvorteile zur Durchführung von Forschungsarbeiten, Fachkursen und wissenschaftlichen Tagungen.