Badewasserhygiene

Mit der Richtlinie 76/160/EWG über die Qualität der Badegewässer wurden für alle Arten von Oberflächengewässern, in denen das Baden von den zuständigen Behörden ausdrücklich gestattet oder nicht untersagt ist und in denen üblicherweise eine große Anzahl von Personen badet, Grenzwerte bzw. Richtwerte für mikrobiologische, physikalische, chemische und andere als Zeichen der Verschmutzung geltende Parameter festgelegt.

Diese Richtlinie ist für Österreich mit 1. Jänner 1997 wirksam geworden. Seither ist jährlich ein Bericht über die Durchführung der Überwachung der Badegewässer in Österreich an die Europäische Kommission zu übermitteln.

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Mit März 2006 ist eine neue Badegewässerrichtlinie, die Richtlinie 2006/7/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom Februar 2006 über die Qualität der Badegewässer und deren Bewirtschaftung und zur Aufhebung der Richtlinie 76/160/EWG, in Kraft getreten. Die Richtlinie 76/160/EWG wurde mit Dezember 2014 aufgehoben.

Wesentliche Neuerungen der Richtlinie 2006/7/EG:

  • die Erstellung und regelmäßige Aktualisierung eines Badegewässerprofils für jedes Badegewässer
  • anstelle der bisherigen Parameter zwei neue bakteriologische Parameter zur Überwachung der Badegewässerqualität (E. coli und intestinale Enterokokken)
  • die jährliche Einstufung der Qualität eines Badegewässers auf Grundlage der Daten der letzten vier Badesaisonen (in Österreich erstmals mit der Badesaison 2013)
  • vier Qualitäten der Badegewässer (in Österreich erstmals mit der Badesaison 2013)
  • zu ergreifende Bewirtschaftungsmaßnahmen
  • Beteiligung der Öffentlichkeit an der Umsetzung der Richtlinie
  • Information der Öffentlichkeit an jedem Badegewässer und im Internet (spätestens mit Beginn der Badesaison 2012).

Die Umsetzung dieser Richtlinie in innerstaatliches Recht erfolgte durch eine mit  Juli 2009 in Kraft getretene Novelle zum Bäderhygienegesetz (BHygG) und durch eine mit Oktober 2009 in Kraft getretene eigene Badegewässerverordnung (BGewV).

Die Biologische Station ist in an der Überwachung der Badegewässerqualität folgender Badegewässer beteiligt: Neusiedler See – Rust, Neusiedler See  – Morbisch, Neusiedler See – Breitenbrunn, Neusiedler See – Neusiedl, Neusiedler See – Weiden, Neusiedler See – Podersdorf, Neusiedler See – Illmitz, Badesee Andau, Badesee Apetlon.

Diese Badegewässern werden nach dem Überwachungszeitplan seitens der Biologischen Station beprobt. Die Analysen betr. E. coli und interstinalen Enterokokken erfolgen zur Zeit seitens der AGES in Wien.

Messfahrt

Wasserstand

Die Informationen über den aktuellen Wasserstand des Neusiedler Sees, die Wehrbetriebsordnung und Daten zu anderen burgenländischen Gewässern finden Sie im Wasserportal Burgenland.

Langzeitforschung

Die Biologische Station ist thematisch vielfältig ausgerichtet. Die bearbeiteten Sachverhalte reichen beispielsweise von der Vögel- und Insektenfauna bis zur Flora im Gebiet des Seenwinkels als auch Messungen im Neusiedlersee. Eine allgemeine Beschreibung der Langzeitforschung in Österreich finden Sie hier.

Die Beprobungen des Neusiedlersees gehen bis in das Jahr 1983 zurück und sind ab dem Jahr 1988 mit einem erweiterten Parameterumfang an mehreren Meßstellen im See durchgeführt worden.

Die Langzeitmessung der Leitfähigkeit zeigt, dass es von 1990 bis 1995 und von 2004 bis 2008 Perioden einer erhöhten Leitfähigkeit in dem Steppensee gab (Abb. 1). Diese Leitfähigkeitsschwankungen werden durch die Parameter Niederschlag und Verdunstung, und davon abhängig von Wasserstandsschwankungen des Sees bedingt.

Abbildung 1: Langzeitmessung der Leitfähigkeit ab 1988. Die Punkte zeigen die Jahresmittelwerte an, die Balken je Jahr die Spannweite zwischen dem niedrigsten und dem höchsten Leitfähigkeitswert.

Abbildung 2: Langzeitmessung der Konzentration von Chlorophyll-a ab 1988. Darstellung analog Abb.1

Analog der Leitfähigkeit, wurde auch das Chlorophyll im See ab 1988 gemessen (Abb. 2). Das Chlorophyll-a ist das Hauptpigment der im Wasser schwebenden Algen. Ein hoher Wert an Chlorophyll-a verweist auf eine hohe Algenbiomasse und umgekehrt. 2004 und 2010 sind Jahre mit besonders hohen Algenbiomassen während der Langzeituntersuchung.

Abbildung 3: Langzeitmessung der Konzentration des Gesamt-Phosphors ab 1988. Darstellung analog Abb.1

Ein wesentliches Nährelement für das Wachstum der Algen im Wasser ist der Phosphor (Abb. 3). Der Langzeittrend der gesamten Phosphorkonzentration zeigt eine leichte Abnahme an. Der Phosphor wird über das Umland vom See, seinem weiten Einzugsgebiet, eingeschwemmt. Landeskulturelle Maßnahmen im Zuge der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung, wie dem Weinbau, haben dazu geführt, dass dem Ausschwemmen von Phosphor Einhalt geboten wurde.

Abbildung 4: Langzeitmessung der Konzentration von Nitrat ab 1988. Darstellung analog Abb.1

Neben dem Phosphor ist auch der Stickstoff ein wichtiges Nährelement für den Aufbau der Algenbiomasse im See. Da die Erfassung der gesamten Stickstoffressourcen ein aufwendiges Messverfahren ist, wurde hier standardgemäß der wichtigste Vertreter aller Stickstoffquellen, nämlich das Nitrat, gemessen (Abb. 4). In den letzten Jahren wurde die Konzentration des Stickstoffes sehr stark reduziert, um so das Wachstum der Algen im See zu begrenzen. Eine hohe Güte zeigen Jahre an, wo sowohl ein niedriger Jahresmittelwert als auch eine geringe Schwankungsbreite für Nitrat im Jahr gemessen werden konnte. Solch ein Jahr geringer Nitratkonzentration ist beispielsweise das Jahr 2006.

Die Langzeitentwicklung der vier genannten Kenngrößen schwankt verschieden je Jahr. Aufgrund der jahreszeitlichen Abfolge der Lufttemperatur und anderer Wetterereignisse auf der einen Seite, und der jahreszeitlichen Abfolge des Wachstums der Algen und anderer aquatischer Lebewesen auf der anderen Seite, ergeben sich charakteristische Jahresverläufe, die nachfolgend in Abbildung 5 gezeigt sind. So entwickeln sich die Algen, hier wieder anhand der Konzentration des Leitpigmentes Chlorophyll-a gezeigt, bereits zeitig im Frühjahr. Es zeigt sich die höchste Algenbiomasse im Neusiedlersee im März und April. Zugleich liegen zu dieser Jahreszeit auch die höchsten Konzentrationen an Gesamtphosphor vor. In der Hauptvegetationsperiode sind dagegen wenig Algen vorhanden, was eine Spezifik des Neusiedlersees ist. In anderen Seen ist nämlich eine zweite massenhafte Algenentwicklung im Sommer weit verbreitet. Im Neusiedlersee treten wiederum leicht erhöhte Chlorophyllwerte erst wieder im Winter auf, was wiederum eine Charakteristik dieses Steppensees ist. Die Besonderheit der jahreszeitlichen Abfolge der Algen im Neusiedlersee liegt in der hohen Trübe durch mineralische Schwebpartikel begründet. Der Neusiedlersee ist damit gewässerökologisch anders gestaltet als die anderen Seen in Österreich.

 

DOWNLOAD: Die Langzeitforschung zum Neusiedlersee

Abbildung 5: Jahreszeitliche Schwankungen gezeigt als typischer Verlauf für die Wassertemperatur (Temp), die Konzentration des Chlorophyll-a (Chl-a) und den Gesamt-Phosphor (Ptot)